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Abschied von „Gudensburg“

Vergangene Woche mussten wir leider unsere flüchtige Stute Gudensburg, die viele Jahre in diversen Projekten der GNOR treu mitgewirkt hat, mit einem Schuss töten.
Uns ist dieser Schritt sehr, sehr schwer gefallen. Jeder, der uns kennt, weiß, wie sehr wir an jedem einzelnen Tier hängen und besonders an der Gudensburg! Wie lange und sorgfältig haben wir nach anderen Lösungen gesucht, diese besprochen und diskutiert – und mussten sie dann doch leider wieder verwerfen. Kein Fall in unseren Beweidungsprojekten hat uns so sehr mitgenommen und auch emotional belastet. Kein Tierfreund tötet ohne große Not ein Tier. Aber letztlich gab es aus unserer Sicht keine andere Möglichkeit, als die Gudensburg zu schießen.
Sie hielt sich seit Ende Mai und damit über drei Wochen außerhalb des Gatters unseres Beweidungsprojekt in Oberdiebach auf. Unbekannte hatten ein Tor nicht ordnungsgemäß geschlossen und das nutzte ein Teil unsere Herde, um die Welt außerhalb des Bischofhubs zu erkunden. Der größte Teil der ausgebrochenen Herde konnte nach kurzer Zeit problemlos wieder eingefangen und ins Projekt zurückgeführt werden. Nur bei der Gudensburg gelang dies leider nicht. Mehrere Versuche mit Anlocken, mit Fanggatter und auch mit einer eigens auf den Hirtenborner Wiesen gestellten Lockherde scheiterten. Zwischenzeitlich hatte sich die Gudensburg auch immer häufiger sehr weit weg von den Wiesen am Hirtenborn entfernt und wurde bereits an größeren Straßen gesehen, was ein schnelles Handeln immer dringender machte. Ein großes Problem bei dieser Stute war, dass sie sich sehr scheu und nervös verhielt und in für sie bedrohlichen Momenten unberechenbar bis panisch reagierte. Sie war insgesamt also schwer zu handhaben und war aus diesem Grund auch für ein derartiges Projekt nicht richtig geeignet. Erschwerend kam hinzu, dass sie eine Toleranz gegen das Betäubungsmittel zeigte, ein wichtiges Mittel, um Huftiere zu sedieren, also ruhig zu stellen bzw. zu betäuben. Bereits 2015 hätte die Gudensburg für eine akute Hufbehandlung sediert werden sollen. Dem Tierarzt gelang dies trotz einer Überdosierung nicht. Eine erneute Betäubung schied also im aktuellen Fall aus. Außerdem hat sich aus der akuten Hufentzündung letztendlich eine chronische Huferkrankung entwickelt, die bei einem solchen Pferd nicht zu behandeln ist.
Nach dem Ausbruch und den gescheiterten Fangversuchen bestand nun die große Gefahr, dass sich die Gudensberg in den Bereich von Straßen und dergleichen bewegt und dort nicht nur sich, sondern auch Menschen gefährdet. Nach nochmaliger Abstimmung mit dem Tierarzt und den zuständigen Veterinären auch über die Möglichkeiten des Sedierens und die voraussichtlichen Heilungschancen der Stute, haben wir uns letztlich schweren Herzens für diesen Schritt entschieden.
An dieser Stelle möchten wir uns auch bei allen Helferinnen und Helfern sehr herzlich bedanken, die in den letzten Tagen und Wochen mit Rat und Tat zu Seite standen und sich unendlich hilfsbereit zeigten. Uns wurde viel Verständnis entgegengebracht. Es war ein gutes Gefühl, sich einer so großen Unterstützung sicher sein zu dürfen. Bei allen, die über unser Handeln nun doch enttäuscht oder gar entsetzt sind, bitten wir um Verständnis.