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INTERREG-Projekts „Gefährdete Tierarten“

Interreg-Projekt „Vom Aussterben bedrohte Tierarten im Grenzüberschreitenden Biosphärenreservat (GBR) Pfälzerwald-Vosges du Nord“

 

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous), Petit-Wingen (Nordvogesen), 22. Juli 2017; Foto: O. Eller

 

Am 1. Juli 2020 startete ein von der EU als Hauptfinanziererin gefördertes Projekt, in dem französische und deutsche ExpertInnen mit Beteiligung der GNOR gemeinsam gegen den weiteren Rückgang ausgewählter, das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen kennzeichnender Tierarten vorgehen:

Steinkrebse (Austropotamobius torrentium) gelten in Rheinland-Pfalz und in Frankreich (IUCN France) als vom Aussterben bedroht. Sie besiedeln/besiedelten insbesondere Bachoberläufe in den Mittelgebirgen. Bei den seit 2014 zur Verbreitung der Steinkrebse und der Edelkrebse (Astacus astacus) erfolgten Kartierungen im Pfälzerwald und seinen Randgebieten ließ sich nur noch ein Steinkrebsvorkommen nachweisen. Auch für die Nordvogesen geht man von nur noch einer einzigen Kolonie aus, nachdem eine andere in den vergangenen zehn Jahren erloschen ist. Während die Suche nach noch existierenden Restpopulationen auf beiden Seiten fortgesetzt wird, konzentrieren sich die Bemühungen innerhalb des Projekts auf eine Zucht von A. torrentium in Vermehrungsstationen mit autochthonen Tieren und darauf, im Biosphärenreservat geeignete Lebensräume zu finden, zu entwickeln und zu sichern, in denen sich die Krebsart aktiv wieder ansiedeln lässt.

Das Große Mausohr (Myotis myotis) gehört zu den Fledermausarten, die für die Entwicklung ihrer Jungtiere auf Gebäude unterschiedlicher Art angewiesen sind, vor allem darauf, dass insbesondere Dachstühle für sie zugänglich sind und die EigentümerInnen ihre Anwesenheit dulden. Es gibt noch wenige große Wochenstuben im GBR Pfälzerwald-Vosges du Nord, aber viele Kolonien sind voneinander abgeschnitten. Hier setzen die Projektmaßnahmen mit dem Ziel an, Interesse und Akzeptanz für diese und andere gebäudebewohnende Fledermausarten in den Gemeinden des Biosphärenreservats zu fördern und ihr Überleben durch verbindlichen Schutz der bestehenden Kolonien und die Gewährleistung von deutlich mehr geeigneten Fortpflanzungsstätten zu sichern.

 

Das Teilprojekt für die Wiesenknopf-Ameisenbläulinge

Die GNOR verfolgt als Projektpartnerin über ihren Arbeitskreis Schmetterlinge gemeinsam mit SYCOPARC, der französischen Biosphärenreservats-Verwaltung, verschiedene Wege der Bewahrung und Neuschaffung ausreichend vieler, gut miteinander vernetzter Fortpflanzungslebensräume für den Dunklen und den Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous, Phengaris teleius), Schmetterlingen frischer bis feuchter, extensiv bewirtschafteter Wiesen und Weiden. Die Projektmaßnahmen für die Bläulinge werden durch die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz kofinanziert.

Dass den beiden FFH-Arten wegen ungünstiger Bewirtschaftungstermine alljährlich in der Mehrzahl der Fälle die Möglichkeit zur Eiablage oder zur Entwicklung der Raupen genommen wird – blühender Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) muss zur Flugzeit im Juli und August in den Lebensräumen stehen und die schlüpfenden Raupen müssen sich in den Blüten einen Monat lang unbehelligt entwickeln können, bevor sie die Wirtspflanze verlassen –, macht ihnen schon seit Jahrzehnten zu schaffen. Vor allem in der Oberrheinebene ist ihr stetiger Rückgang seit den 1980er Jahren eindrücklich dokumentiert worden (J. Settele, UFZ Leipzig). Jetzt verstärken die zunehmend niederschlagsarmen Sommerhalbjahre mit der Verknappung der Futtermittelerträge den Nutzungsdruck noch weiter. Gleichzeitig wachsen die Wiesenknöpfe bei zu wenig Wasserversorgung nur kümmerlich bzw. verschwinden allmählich aus dem Grünland, und werden die Wirtsameisen von anderen Ameisenarten verdrängt, die hitze- und trockenheitstoleranter sind. Im Pfälzerwald macht sich das mit einigen Jahren Verzögerung bemerkbar: Hier fällt in den letzten Jahren ein Schrumpfen der Populationsgrößen der Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulinge auf, aus dem sich kurzfristig ein entsprechender Verlust an Teilpopulationen entwickeln kann, wie er in der Ebene schon weit fortgeschritten ist. Wir versuchen im Biosphärenreservat einer weiteren Verinselung und dem Aussterben von Teilpopulationen durch die Entwicklung zusätzlicher Lebensräume vernetzend gegenzusteuern.

Der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (P. teleius) gilt im Pfälzerwald und in den Nordvogesen seit 2011 als ausgestorben bzw. verschollen: Im Rahmen des INTERREG-Artenschutzprojekts sollen bis 2023 erste Vorbereitungen für eine aktive Wiederbesiedlung im deutschen Teil des Biosphärenreservats – Entwicklung ausgewählter Biotope, faunistische Erhebung der Ameisenarten – getroffen werden.