Aktualisiert 2.11.2025
Am 7.11. 2025 erreichte uns eine Anfrage der Mainzer Allgemeinen Zeitung zum Tod unseres Wallachs „Galates“, die neben zahlreichen Fragen auch die immer gleichen Vorwürfe enthielt. Wir haben darauf am 10.11.2025 folgendes geantwortet:
Ihre Anfrage vom 7.112025
Sehr geehrte Frau Leubner, sehr geehrte Damen und Herren,
Ihre Anfrage ist sehr umfangreich und detailliert.
Anfang Oktober mussten wir auf Anraten der Tierärztin unser Wallach in Oberdiebach aufgrund einer Kolik einschläfern lassen. Nach einer knapp zweistündigen tierärztlichen Untersuchung, inklusiv Ultraschall, war keine eindeutige Diagnose möglich, nur eine Gaskolik konnte ausgeschlossen werden. Den Tod des Tieres haben wir nicht sofort öffentlich gemacht, da wir auf das Ergebnis einer von uns initiierte Obduktion warten wollten. Die Obduktion wurde also nicht vom Veterinäramt angeordnet. Das Ergebnis haben wir Ende Oktober erhalten: Die Kolik wurde nicht durch giftige Pflanzen, Eicheln oder Steinobstkerne ausgelöst, sondern durch Aufnahme von Schotter (Schieferverwitterungsgestein). Warum das Tier diesen aufgenommen hat, wissen wir nicht, wir können es nur vermuten. Es könnte eine ehemalige Wild-Salzlecke der Grund sein, die als solche nicht mehr erkennbar ist, bei der sich aber noch Salz im Boden befindet. Die Nachsuche nach einer solchen Gefahrenstelle hat einen Bereich ergeben, der verantwortlich sein könnte. Nach Beratung mit dem Veterinäramt werden als Prophylaxe neben den ohnehin schon vorhandenen Leckschalen weitere überdachte Salzlecksteine aufgehängt. Im Übrigen bescheinigt uns der Obduktionsbericht, dass das Tier in einem guten Ernährungszustand war.
Es leben derzeit also noch acht Exmoorponys in unserem Beweidungsgebiet.
Wir entwickeln derzeit eine neue Biotoppflege-Strategie, die neben der Beweidung eine vermehrte mechanische Pflege beinhalten wird. In diesem Zuge wird die Abgabe weiterer Tiere erwogen, entweder dauerhaft oder über die Wintermonate. Es wurden und werden verschiedene Möglichkeiten und Angebote geprüft. Derzeit ist es aber nicht geplant, kurzfristig alle Tiere abzugeben. Die Aussage, dass das Projekt ausläuft, bezieht sich darauf, dass wir keine Ponys nachzüchten und je nach Bedarf Tiere aus der Fläche nehmen. Der Aussage liegen keine konkreten Jahreszahlen zu Grunde, weshalb wir dazu auch bisher keine Aussage getroffen haben.
Die Tiere werden ausreichend zugefüttert und sind dementsprechend in einem guten Ernährungszustand. Dazu trägt auch die Zufütterung von Grünhafer bei. Dass das Gebiet derzeit als Nahrungsgrundlage nicht ausreicht, ist uns bewusst. Die Vorgaben des Veterinäramtes werden erfüllt. Die Tiere werden nicht vernachlässigt und es ist derzeit kein weiteres Personal nötig, um die Versorgung der Tiere zu gewährleisten. Die „Kümmerer vor Ort“, die im Übrigen auch die nötigen Sachkundenachweise besitzen, werden wöchentlich von unserem Biotoppflegeteam unterstützt und die Heu-Rundballen von einem ortsansässigen Lieferanten direkt bis in die Raufen geliefert.
Sowohl der Nachweis, dass die tierärztliche Untersuchung am 10.10.2025 ohne Befund war, als auch der Obduktionsbericht des Wallachs, liegen dem Veterinäramt vor. Die nächste Kontrolle auf Parasiten ist für Anfang Dezember geplant.
Die Vorwürfe von ProEquis, die Tiere würden nicht ausreichend gefüttert und seien zu dünn, sind unbegründet und wiederholen nur die Vorwürfe aus dem Frühjahr. Es ist nicht belegt, dass die Tiere größere Mengen giftiger Pflanzen oder Eicheln fressen. Dass Eicheln gelegentlich auch aufgenommen werden, ist natürlich. Die Tiere fressen in der Tat Steinobst und bekommen dadurch z.T. auch kurzzeitig Durchfall. Von „massenhaft“ kann aber nicht die Rede sein. Das Problem des Greiskrauts ist auch ein naturschutzfachliches und ihm wollen wir u.a. mit der oben erwähnten neuen Biotoppflege-Strategie begegnen.
Die aus früheren Zeiten im Gebiet verbliebenen Weinbergspfähle sind ein Problem – nicht nur auf unserer Projektfläche -, dem wir uns seit Beginn des Projektes und im Zuge der Entbuschung vermehrt stellen. Im Rahmen der Biotoppflege werden Altholz und ggf. auch Drahtreste entsorgt, sobald sie gesichtet werden. Zudem sind größere Entsorgungsaktionen geplant. Für die Abfälle stellt die Gemeinde Container bereit und kümmert sich um die Entsorgung.
Die Vorwürfe einer außergewöhnlich niedrigen Fortpflanzungsrate (bei einer Herde ohne Hengst) und hohen Todesrate, können wir nicht nachvollziehen.
Wir bieten Ihnen gerne einen persönlichen Ortstermin an, bei dem Sie sich davon überzeugen können, dass wir unsere Exmoorponys nicht vernachlässigen und sie sich in einem guten Zustand befinden.
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Andrea Tappert
Traurige Nachrichten 😔
Galates, unser Wallach in der Herde in Oberdiebach, musste aufgrund einer Kolik Anfang Oktober eingeschläfert werden.
Da die Tierärztin vor Ort keinen Grund für die Kolik feststellen konnte, hatten wir eine Obduktion in Auftrag gegeben: Ursache der Kolik war Schieferschotter im Darm. Über den Grund der Aufnahme können wir nur spekulieren. Eventuell hat Galates den Schotter beim Lecken an einer ehemaligen Wild-Salzlecke aufgenommen.
Der Obduktionbericht bescheinigt uns im übrigen, dass Galates in einem guten Ernährungszustand war.
🐎 Nun haben wir nur noch 8 Exmoor-Ponys im Beweidungsprojekt.
Am 29.10.2025 ist ein ungerechtfertigt negativer Bericht über unser Beweidungsprojekt in Oberdiebach in der Mainzer Allgemeinen Zeitung erschienen.
Die offizielle Gegendarstellung lesen sie hier.
Fotos vom Oktober 2025:






Halboffene Weidelandschaften in Oberdiebach (Bichofshub) –
ein wichtiger Beitrag für eine artenreiche Fauna und Flora im Oberen Mittelrheintal
Die Beweidung in Oberdiebach wird seit Auslaufen des staatlich geförderten Beweidungsprojektes 2012 hauptsächlich durch Spenden finanziert.
Die Beweidung in Oberdiebach (Bischofshub) erfolgt seit 2010 mit Exmoor-Ponys und Burenziegen. Seit Auslaufen des Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens (E&E-Projekt) des Bundesamtes für Naturschutz mit dem Titel „Nachhaltige Entwicklung xerothermer Hanglagen am Beispiel des Mittelrheintals“ und dem nachfolgendem Projekt „Halboffene Weidelandschaften“ im Oberen Mittelrheintal (2003-2012) (nähere Infos hier), wird die Beweidung in Oberdiebach von der GNOR ohne staatliche Förderung auf GNOReigenen und gepachteten Flächen fortgeführt. Das Gebiet umfasst 30 ha ehemalige Weinberge, Obstwiesen, Halbtrockenrasen sowie lichte Trocken- und feuchte Bachauenwälder. Entwickelt als halboffene Weidelandschaft mit einem Mosaik an Lebensräumen, dient das Gebiet heute wieder als Lebensraum insbesondere auch für wärmeliebende (xerotherme) Arten wie der Blauflügeligen Ödlandschrecke.
Derzeit (Stand März 2025) fressen in Oberdiebach neben Burenziegen 11 Exmoor-Ponys ganzjährig für den Naturschutz. Dies ist eine ursprüngliche, wildpferdartige Pferderasse aus England. Im Exmoor-Nationalpark im Südwesten Englands leben Herden dieser Ponys noch frei in den dortigen Mooren und Heiden. Sie sind hervorragend an ihren Lebensraum mit seiner kargen Vegetation angepasst. Sie sind zäh und robust und kommen auch mit strengeren Wintern zurecht. In Oberdiebach leben sie ganzjährig in halbwilder Haltung und können frei umherstreifen. Nur im Winter wird zugefüttert. Eine Kontrolle der Tiere erfolgt dennoch täglich und auch ein Unterstand steht ihnen jederzeit zur Verfügung.
Exmoor-Ponys halten ihren Lebensraum strauch- und baumfrei und schälen zudem die teilweise vorhandenen Bäume, sodass diese absterben. Dieses bringt Licht in die Wäldchen und bietet zudem Totholzbewohnern neue Existenzmöglichkeiten. Auch ihre Exkremente werden von Spezialisten wie den heute in der Natur selten gewordenen Dungkäfern und Dungfliegen bewohnt, die ihrerseits Nahrung für andere Tiere sind. Auf diese Weise trägt die Beweidung mit Exmoor-Ponys viel zur Erhöhung und Erhaltung der Biodiversität bei.
Viele der zu unserm Projekt erschienen Berichte, Veröffentlichungen und wissenschaftlichen Arbeiten finden sie hier zusammengetragen.
Möchten Sie uns und das Projekt unterstützen? Erfahren Sie hier wie sie spenden können.






Die Weidetiere:
Das Exmoor-Pony ist ein ursprünglicher, wildpferdähnlicher Pferdetyp und geht auf Ponys zurück, die während der Bronzezeit durch keltische Einwanderer nach England gebracht wurden. Die Tiere werden in Exmoor im Südwesten des Landes seit mindestens dem 11. Jahrhundert halbwild gehalten und leben auch heute nochwild im Exmoor-Nationalpark. Mit weltweit nur 2.000 Tieren ist die Rasse vom Aussterben bedroht.
Die Burenziege stammt aus Südafrika und ist eine in der Landschaftspflege oft eingesetzte Fleischrasse. Sie hat ein ruhiges Temperament und lässt sich sehr gut gemeinsam mit anderen Tieren halten. Ihre auffälligsten Merkmale sind die “Rümpfnase” und die langen “Schlappohren”, beides eine Anpassungen an trockenwarmes Klima. Sie ist für ihren Heißhunger auf Gestrüpp und Rinde bekannt. Weiterführende Informationen und einen Steckbrief zur Burenziege finden Sie auf der Seite des Landesverband Rheinischer Ziegenzüchter e.V.
